Landesliga A – 7. Spieltag 22.02.2015

Zunächst einmal der Blick nach oben:

Umfangreiche Analysen zu den 2. Ligen finden sich an anderer Stelle, ich beschränke mich auf ein „den Umständen entsprechend ganz gut und ohne signifikanten Einfluss auf die LL, und steige bei der OL ein. In Staffel B herrscht das erwartete Bild: Merseburg leider weitestgehend chancenlos besiegelt das typische Schicksal des Aufsteigers aus Sachsen-Anhalt, den direkten Abstieg. Trotzdem sind positive Ansätze zu erkennen, mit etwas mehr Aufstellungskonstanz und ohne freie Bretter hätte es sogar reale Chancen auf Platz 10 gegeben. Sangerhausen spielt zwar keine besonders gute Saison, zu viele ärgerliche und knappe Niederlagen sowie verschenkte Punkte prägen den Saisonverlauf, dennoch wieder ein grundsolider Mittelfeldplatz auf den sich weiter aufbauen lässt. Die A Staffel nach 8 Spieltagen mit vielen Überraschungen. AEM findet den richtigen Mix auf MP und BP und hat aktuell beste Chancen auf den Aufstieg, super Leistung! Bei den vielen jungen Spielern könnte man sogar mit berechtigten Chancen auf den Klassenerhalt in ein Zweitligajahr schauen. Der Rest lässt sich leider nur als mittlere Katastrophe zusammenfassen. Rochade findet überhaupt keine Mittel und steht vor einem Scherbenhaufen. In 7 von 8 Spielen wurden mindestens 3 BP geholt, das reicht aber nur für 2 mickrige MP. Die beiden Remis gegen die Teams an 3 und 4 verdeutlichen das eigentliche Potenzial, hilft alles nichts wenn in den direkten Vergleichen die Punkte liegen bleiben. Nach 8 Spieltagen sind die Chancen auf den Klassenerhalt, auch laut „Orakel“, nur noch sehr gering, und aus Sachsen-Anhaltinischer Sicht dann wahrscheinlich nur auf Kosten des USV Halle zu realisieren. Da verdeutlicht sich das Dilemma unseres Bundeslandes: zu viele Teams unten drin. Ich gehe also dieses Jahr wirklich vom Worst-case, also dem Abstieg von 2 Vereinen in die Verbandsliga und 3 Vereinen von ebenjener Liga in die Landesligen aus. Heißt für diese Rubrik, dass Platz 8 nicht sicher ist.

Nun zum eigentlichen Geschehen:

TuS – AEM III 5:3

Aus TuS Sicht stand der Spieltag unter schlechten Vorzeichen. Die Grippe-Welle schlug eiskalt zu, sodass nicht nur ein Spieler ausfiel, sondern auch der geplante Ersatz nicht zur Verfügung stand. Dankenswerter Weise sprang Wolfgang ein, also immerhin  zu 8. Auch AEM hatte leichte Besetzungssorgen, oder anders formuliert verzichtete die spielstärksten Spieler einzusetzen. TuS ging also demzufolge von der Papierform als leichter DWZ-Favorit ins Rennen, ob der Jugendspieler von AEM kann muss aber wohl richtiger Weise von einem Duell auf Augenhöhe gesprochen werden. Mit zunehmendem Spielverlauf kam TuS auf die Siegerstraße. ML Daniel konnte nach bisher verkorkstem Saisonverlauf sein wahres Können unter Beweis stellen. In einer sehr schnell gespielten Partie konnte es nach guter Eröffnungsbehandlung in ein besseres Endspiel überleiten und schlussendlich mit Dame gegen Turm+Bauern gewinnen. Mit diesem beruhigenden Punkt im Rücken lies sich die Mannschaft auch von den Niederlagen an 1 und 8 (hier siegte jeweils Jugend gegen Erfahrung) nicht beirren. Die fast-Maximal Ausbeute an 3-7 spricht vor allem für den TuS Kampfgeist, denn viele Partien wurden hier erst spät entschieden.

AEM hat den Kampf um den Aufstieg mit diesem Spiel endgültig aufgegeben und befindet sich im absoluten „Niemandsland“(nach oben und unten ohne Möglichkeiten) der Liga. Aus meiner Sicht etwas fahrlässig (im Sinne des Verzichts auf den Einsatz stärkerer Spieler), denn die eigene Zweite steckt in den Abstiegsrängen der Verbandliga fest. Ein Sprung auf den rettenden Platz 7 ist zwar noch möglich, da es unten aber sehr eng zugeht und viele direkte Duelle noch ausstehen könnten selbst 7 MP nicht reichen. TuS konnte durch den Sieg einen kleinen Puffer auf die Abstiegszone herstellen. Wenn nicht alle Dämme brechen sollte mindestens der Relegationsplatz sicher sein, mit einem Remis gegen das nominell schwächere Team des USC II am kommenden Spieltag stünde der Klassenerhalt quasi fest, denn Rochade III sind gegen Calbe und Aschersleben in meinen Augen keine 4 MP zuzutrauen.

Während bei TuS das Unterhaus, insbesondere Uwe Lechnauer (4,5/7 zuletzt 3,5/4) und Thoma Schönemann (5/7) überzeugen, sind bei AEM vor allem die jüngeren Spieler im „Oberhaus“ (was sich bis Brett 8 streckt) für das gute Abschneiden verantwortlich.

Tangerhütte – Rochade III 4,5:3,5

In einem Duell auf Augenhöhe – zumindest wenn man den DWZ Schnitt glauben schenkt und nicht die übliche Verzerrtheit der Tangerhütter Wertzahlstruktur berücksichtigt – zwischen 2 Teams mit ganz unterschiedlichen Vorzeichen. Tangerhütte kommt aus einer starken Saison und bringt dieses mal 7 Stammspieler ans Brett. Rochade mit bisher äußerst wechselhaften Aufstellungen schafft vor allem im Unterhaus eine starke Mannschaft aufzubieten. Schlussendlich setzt sich die alte Weisheit „schafft es Tangerhütte 7 Stammspieler aufzubieten, so ist die Mannschaft nur schwer zu schlagen“. Und so wurden auch dieses Mal an eben jenen 7 Brettern die notwendigen 4,5 Punkte eingefahren. Wer auch an hinteren Brettern ehemalige Spitzenbretter in Landesligen aufbieten kann, ist in der Liga gut gewappnet. Das kann zwar theoretisch auch Rochade, aber die derzeitige Mannschaftszusammensetzung ist weit davon entfernt. So ist das Ergebnis für mich keine große Überraschung, auch wenn man den Hauptstädter wieder einmal eine deutliche bessere zweite Saisonhälfte bescheinigen muss.

Tangerhütte ist somit erster Verfolger des USC I, auch wenn die ausstehenden Paarungen nicht dafür sprechen, dass sich nochmal eine Chance auf Platz 1 ergibt. Trotzdem eine sehr gute Saison der Altmärker. Rochade steckt weiterhin unten fest. Dem USC sind aus den verbleibenden Spielen durchaus noch 3 MP zuzutrauen, so dass, möchte man zumindest den Relegationsplatz halten, mindestens 1 eher 2 MP notwendig sind. Mit Calbe und Aschersleben ist das Restprogramm nicht einfach, zugute kommt der Mannschaft um Hans-Georg Döhler, dass beide Teams zuletzt nicht in guten Besetzungen agierten. Mehr als Platz 8 wird schwer und ist nur bei schweren Ausrutschern von TuS überhaupt denkbar. Als kleiner Bonus für Rochade sind – wieder einmal paradoxer Weise – die sehr kritischen Situationen der 1. und 2. Vertretung einzuschätzen. Werden alle Ausländer eingeflogen, so wirkt sich dies positiv auf das Spielermaterial der Landesligamannschaft aus. Nur so ist eine Last-Minute Rettung denkbar. Weiterhin würde ich der Mannschaft gute Chancen in einem Relegationsspiel zutrauen, denn dann könnte wirklich von den spielstarken und bisher kaum eingesetzten Stammspielern profitiert werden.

Calbe – USC I 2:6

Auf dem Papier war dieses Spiel der entscheidende Kampf um den Aufstieg, in der Realität waren die Vorzeichen schon vor „Anpfiff“ klar definiert. Calbe hatte Besetungsprobleme und musste so zum Kampflos Joker Thomas Belau greifen. Gegen eine durchweg gut besetzte USC Mannschaft ergaben sich an den folgenden Brettern allerdings auch keine nennenswerten Vorteile. Beim USC waren zwar zum wiederholten Mal mehr als 2 Ersatzspieler nötig, dem Kampf an den Brettern tat dies aber keinen Abbruch. Ein immer noch landesligareifer DWZ-Schnitt reichte locker um alle Calbenser Aufstiegsträume – sofern diese in der Realität wirklich existierten – im Keim zu ersticken. Der USC setzte sich in allen Mannschaftsteilen durch und landete einen Kantersieg.

Zur Zeit ist davon auszugehen, dass der Mannschaft aus der Landeshauptstadt noch mindestens 2 MP in den verbleibenden Spielen gelingt. Dann stünde dem schlussendlich souveränen Wiederaufstieg nichts im Wege. Calbe kann mit dem Saisonverlauf immer noch zufrieden sein. Ernsthafte Ambitionen nach oben traue ich der Mannschaft nur dann zu, wenn Spitzenspieler Dr. Hamm wieder, zumindest für die wichtigen Kämpfe, reaktiviert werden kann und der Rest der Mannschaft quasi durchspielt.

Unter vielen guten USC Spielern den besten hervorzuheben ist schwierig. Dennoch macht sich Thomas Reichert dieses Jahr besonders verdient (5,5/6), ebenso stark die Leistung von Thomas Bundrock (6/7 2*+), Philipp Marx (5,5,/7) und Ersatzmann Igor Lyashkevych (5/6). Auf Calbenser Seite erhielten die bisher besten Spieler (Ulrich, Weigelt, Dahlke) einen kleinen Dämpfer, sodass neben dem immer noch starkem Routinier Alfred Weigelt (nun 5/6) auch Spitzenbrett Hartmut Backe Erwähnung verdient.

Aschersleben – Turm 2000 5:3

Aschersleben empfing als deutlicher Favorit den Tabellenletzten aus Stendal. Auf Aschersleber Seite fehlten zwar 3 Stammspieler, allerdings allesamt im Unterhaus. Ab Brett 6 ist die Mannschaft, das hat der bisherige Saisonverlauf gezeigt, gut in der Lage Ausfälle zu kompensieren. Auf Seite der Altmärker fehlte Routinier Dieter Ahlers, so dass wiederrum Ersatz benötigt wurde. Gegen die Erfahrung und Routiniertheit der Aschersleber Mannschaft war Wahrburg schlussendlich machtlos. Mit 5:3 hat sich die Mannschaft zwar gut verkauft, Zählbares sprang wieder nicht bei rum. Hervorzuheben auf Seiten der Wahrburger war der starke Sieg von Eric Ahlers, auch das Unterhaus steht mit 1,5 Punkten weit über dem Erwarteten, denn die Gegner waren hier durchschnittlich mehr als 100 Punkt besser.

Aschersleben belegt Brett- und Mannschaftspunktgleich Rang 2 und steuert wieder auf eine gute Saison zu. Stets knappe Siege (nie mehr als 5 BP) sprechen für ein gutes Mannschaftsgefüge, was sich vor allem über 100% Zuverlässigkeit und sehr gute Ergebnisse an den ersten 5 Brettern definiert. Die letzten Spieltage betrachtend scheint es aber so, als ob das etatmäßige Unterhaus ein wenig auseinander fällt. Während Wölfer, Leditschke und Knippertz im Oberhaus für Furore sorgen, sind die Ergebnisse der entsprechenden Familienangehörigen an 5-7 weit unter den Erwartungen. Neben den bereits Erwähnten ist Spitzenbrett Matthias Wilke mal wieder eine Aschersleber Bank, daneben ist auch die Leistung von Nachwuchsspieler Philipp Bielefeld sehr ordentlich.

Bei Wahrburg sind fast alle Stammspieler halbwegs im Soll, als krasser Außenseiter hilft dies der Mannschaft natürlich wenig. Neben Henning Neu sind weiterhin Dieter Ahlers und auch die nun auf 6 am Stück gewachsenen Remis-Serie von Antje Peters hervorzuheben. Die Aussichten auf den Klassenerhalt sind ziemlich mau, auch wenn die verbleibenden Duelle gegen den 6. und 9. Sind. Einen (hohen) Sieg gegen den USC vorausgesetzt fehlt immer noch ein gutes Ergebnis gegen Bernburg um überhaupt Chancen auf Platz 8 zu haben. Dazu müsste Rochade zumindest 2 Niederlagen im Restprogramm verbuchen und selbst dann wären die 2,5 BP noch aufzuholen. Es wird also wieder nach unten gehen, ich bin mir aber sicher, dass dies der Mannschaft nicht schaden wird. Vielleicht heißt es ja in ein paar Spielzeiten nochmal Abenteuer Landesliga, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die BOL Nord des Schachbezirk Magdeburg auch eine schöne Liga ist in der ein Team wie Wahrburg sicher eher nach oben als nach unten gucken muss.

Bernburg – USC II

Im Salzlandkreis stand ein richtungsweisendes Duell auf dem Plan. 2 sehr kompakt agierende Mannschaften schickten zwar nicht die absolute Bestbesetzung ins Rennen, man konnte aber jeweils von erwarteten und starken Aufstellungen sprechen.

Bernburg hatte sich durch den etwas glücklichen Sieg gegen TuS zwar erstmal ein wenig Luft im völlig überraschenden Abstiegskampf verschafft, war aber gegen den USC weiter gefordert. Der Bernburger Sieg war angesichts der doch deutlichen Favoritenrolle keine echte Überraschung, irgendwann musste die Pechserie die die Mannschaft doch sichtlich begleitet ein Ende haben. Etwas überraschen ist aber das Zustandekommen. Während dis bisher stark agierenden Magdeburger Spitzenbretter komplett leer ausgingen konnte die deutlich favorisierte Bernburger Mittelachsen nicht so überzeugen wie man es erwartet hatte (4 Remis). Rene Gottschlings Sieg an 8 ist bei der Betrachtung des Kampfes besonders hervorzuheben.

Bernburg ist dank der guten Brettpunkte erst mal unten raus. Zwar ist gegen den USC nicht unbedingt mit Punkten zu rechnen, dennoch sollte das ausstehende Spiel gegen Wahrburg die nötigen Punkte für den Klassenerhalt sichern. Das man an dieser Stelle überhaupt darüber sprechen muss zeigt die verkorkste Bernburger Saison. Der USC schlug sich wieder einmal ordentlich, allerdings wiederholt ohne zählbares. Allerdings stehen noch 2 richtungsweisende Duelle aus, so dass zumindest der Sprung auf Platz 8, welcher sehr wahrscheinlich die Relegation bedeutet, nicht gänzlich unwahrscheinlich ist. Wenn alles super läuft kann es sogar noch zu Platz 7 reichen, aber dazu braucht es aufgrund der BP auch mithilfe von anderen Teams.

Während bei Bernburg verdienen sich Spitzenbrett Burkhard Bauer und Bernd Wagner gute Noten, beim USC sind Florian Brandt und Rene Gottschling positiv hervorzuheben.