Landesliga A - 8. Spieltag: 15.03.2015

Wir beginnen wieder mit dem Blick nach oben. Positive Resultate gab es in der Oberliga, Rochade konnte durch einen überzeugenden Auftritt in bisher Bestbesetzung einen Sieg erringen. Während Aufbau-Elbe zielstrebig Richtung zweite Liga marschiert, konnten sich Sangerhausen und Löberitz endgültig aller Abstiegssorgen entledigen. Für Halle lief es leider nicht optimal, so dass die OL-Plätze 10 und 11 derzeit von Teams aus unserem Bundesland besetzt werden. Die Chance, dass beide drin bleiben, sehe ich etwas höher als die 25% beim Orakel. Ich traue Rochade zu nochmals volle Kapelle zu spielen, ein Sieg gegen Coswig sollte so machbar sein. Letztgenanntem Team ist wiederrum gegen eine absolut abgeklärt spielende Mannschaft von AEM zur Zeit kein Punkt zuzutrauen. Da auch Halle 2 MP (oder 1 MP und notwendige BP) locker eintüten kann wäre nach diesem Szenario Coswig auf Platz 11.

Natürlich sind dies persönliche, möglicher Weise verfälschte Eindrücke, es soll aber verdeutlichen, dass der Klassenerhalt beider bedrohter Teams aus unserem Bundesland mehr als nur eine theoretische Chance hat. Immerhin kann es auch noch intra-Bundesland Schützenhilfe geben, ich bin also halbwegs optimistisch, nur Merseburg wieder in der Verbandsliga begrüßen zu dürfen. Für „unsere“ Liga heißt dies im Umkehrschluss, dass Rochade auf Platz 8 sicher wäre und nicht in eine Relegation müsste. Diese wiederrum wäre aufgrund der personellen Ressourcen von Rochade III als durchaus aussichtsreich einzuschätzen.

Nun habe ich schon ein paar Dinge vorweg genommen, schweifen wir also noch ein bisschen ab und schauen auch einmal nach unten. Aus Dessau ist Aufsteiger Löberitz III zu gratulieren, starke Leistung in einer nicht einfachen Liga, gespickt mit einiger LL A Erfahrung. Welchen Einfluss das Abschneiden der eigenen Zweiten auf den Aufstieg der III. hat bleibt indes abzuwarten, ferner wäre der Dessauer Vertreter wohl auch eher in der B-Staffel angesiedelt. In Magdeburg ist noch nichts entschieden. In der BOL Süd duelliert sich der USC III (Platz 2, leichter Aufstellungsfavorit) abschließend mit dem derzeitigen Tabellenführer aus Halberstadt. Also Spannung bis zum Ende. In guter Erinnerung des letztjährigen Halberstädter Rückzugs lehne ich mich aus dem Fenster und prognostiziere, dass auch in der Saison 15/16 eine USC Mannschaft in der LL spielt. In der Nord-Staffel konnte sich Gardelegen trotz leichten Auftaktschwächen auf Platz 1 halten und geht als Favorit ins Rennen. Burg II stellte sich mit unbesetzten Brettern und Aufstellungsfehlern selbst ins Abseits während TuS II zwei Mal unglücklich mit 3,5 verlor und folglich die zwischenzeitlich eroberte Spitzenposition wieder los ist. Trotzdem ist auch hier noch alles offen, besondere Begeisterung für einen LL A Auftritt konnte ich den Gardelegenern beim letzten Auswärtsspiel auch nicht entlocken…

Genug der Vorrede ran an die Bretter:

USC II – TuS 3,5:4,5

Die Vorzeichen waren klar und wurden seitens des USC in der Begrüßung auch so formuliert: „Wenn wir verlieren sehen wir uns nächstes Jahr nicht wieder“. Es trafen zwei besetzungsmäßig sehr konstant spielende Mannschaften aufeinander, welche jeweils leichte aber verkraftbare Ausfälle hatten. TuS sollte von der Papierform eine leichte Favoritenrolle inne haben. Zum Zweiten Mal in Folge erwies sich ML Daniel auf TuS Seite als Matchwinner. Er steuerte wiederrum einen relativ schnellen Sieg gegen einen deutlich stärkeren, aber derzeit nicht gut performenden Sven Ulrich bei. Nach 5 Nullen am Stück nun mit Doppel-Eins Garant für das mittlerweile gute Abschneiden der TuSler. Der Kampf gestaltete sich trotz der TuS Führung als überaus spannend. Schlussendlich gelang Edgar nach hartem Fight am Spitzenbrett das wichtige Remis. Während die Mannschaft des USC im Unterhaus überdurchschnittlich gut mithalten konnte, ging der Kampf an den ersten 4 Brettern verloren, so dass Christine Giebels last-minute Sieg nur noch Ergebniskosmetik war.

Der USC steht nun als Absteiger quasi fest. Platz 8 kann nicht mehr erreicht werden auch wenn das direkte Duell gegen Wahrburg noch aussteht. Vom Papier her mag man vielleicht von einer schwachen Saison sprechen, es gilt aber zu konstatieren, dass fast alle Spiele äußerst knapp verloren gingen und die Mannschaft eigentlich immer auf Augenhöhe mitspielen konnte. Es fehlt einfach ein wenig die Erfahrung/Abgebrühtheit in so einer umkämpften Liga die Big-points einzufahren. Ich vermute auch im nächsten Jahr ein USC Team in der LL und bin gespannt welches Gesicht die Mannschaft dann bekommt. Die Hypothek von 2 Teams in einer Liga ist dann auch nicht mehr vorhanden, so dass zusätzliche Aufstellungsflexibilität vorhanden sein sollte (wenngleich dieses Jahr einige Optionen nicht genutzt wurden, siehe meine vorherigen Analysen). Diese Saison gilt es Christine Giebel (leider nur 6 Einsätze) Florian Brandt uns Andreas Apitz mit jeweils 4 Punkten, sowie Ersatzspieler Rene Gottschling (3,5/5) hervorzuheben.

TuS kann nun entspannt für das nächste Jahr planen, es war zwar zwischenzeitlich wieder eng, schlussendlich war die Mannschaft aber da wenn sie da sein musste. Während TuS früher nur dann überleben konnte, wenn Thomas Frotscher am Spitzenbrett mindestens 7 aus 9 holt, ist diese Abhängigkeit diese Saison gänzlich verschwunden. Die Truppe konnte sogar eine eher schlechte Saison ihres unbestrittenen Spitzenspielers ohne Probleme verkraften. Dazu haben insbesondere die hinteren Bretter um Zugpferd Thomas Schönemann (6/8) beigetragen. Brett 3 und 4 werden wohl immer eine kleine Hypothek darstellen, insofern bin ich sehr gespannt was die TuS-Strategen fürs nächste Jahr aus dem Hut zaubern.

Wahrburg – Bernburg 2:6

Die Chancen auf den Klassenerhalt der Wahrburger waren vor dem Duell trotz des noch ausstehenden Kampfes gegen den USC eher theoretischer Natur, zumindest hätte ein Punkt gegen Bernburg her gemusst um die schlechten BP zu kompensieren. Dies gelang gegen den haushohen Favoriten (mehr als 200 Pt. im Schnitt mehr) aus dem Salzlandkreis nicht. Bernburg hat sich nach Katastrophen-Start mittlerweile gut gefangen und steuert dank immer guter Brettpunkte (zweitbester Wert in der Liga) mittlerweile auf einen Platz in der oberen Tabellenhälfte zu. Einzig ein ziemlich schlechtes Verhältnis aus BP und MP wäre der Mannschaft derzeit vorzuwerfen. Der Kampf an den Brettern entpuppte sich als erwartet klare Angelegenheit. Einzig Florian Vinzelberg gelang ein Außenseitersieg, ganz vorne und ganz hinten sprang jeweils ein Remis für die Stendaler raus. Bernburg konnte zum ersten Mal seit dem nahezu perfekten Auftaktsieg gegen Rochade III einen souveränen Sieg einfahren. Wahrburg hingegen wartet weiter auf den ersten vollen LL-Zähler, vielleicht klappt es ja am letzten Spieltag gegen den USC nochmal. Während Wahrburg nächste Saison wieder in der bekannten BOL Nord spielen wird, kann Bernburg auch für die nächste LL-Saison planen, je nach Staffelzusammensetzung und potenziellen Absteigern wird sich zeigen ob die Reise wieder in höhere Tabellenregionen gehen kann.

Bei Wahrburg gibt es 5 Spieler mit 3 Punkten, die DWZ-Auswertung sagt mir dass vor allem Eric Ahlers (2 Punkte an Brett 2) und Papa Dieter hervorzuheben sind. Auch wenn die Wahrburger Ergebnisse nicht so toll waren, so wird man die Liga immerhin mit einem ordentlichen DWZ-Plus verlassen! Bernburg hat mittlerweile alle bis auf einen Spieler bei 50% oder besser und in Bernd Wagner nach wie vor den Top-Scorrer.

USC I – Lok Aschersleben 6:2

Theoretisch war Aschersleben in der Vergangenheit immer ein sehr unbequemer Gegner für Spitzenteams – ich erinnere mich an viele knappe, aber verdiente, 4,5-Siege (gerade gegen Burg) und durchaus Einfluss auf den Spitzenkampf in der Landesliga. Allerdings nur theoretisch… Gegen den USC präsentierte sich die Mannschaft von einer ganz anderen, für mich nicht völlig unerwarteten Seite. Ab Beginn der Zweiten Saisonhälfte hatten sich leichte Besetzungsprobleme an den hinteren Brettern eingeschlichen (1-5 immer noch bei 100% Zuverlässigkeit, was ein super super Wert ist (um mal in Pep Guardiolas Worten zu sprechen:) der als auch Grund für die immer noch gute Aschersleber Saisonleistung verantwortlich ist). Diese mündeten im Kampf gegen den USC nun gar in 2 kampflosen Brettern. Offensichtlich war der Klassenerhalt der eigenen Zweiten – die in der BOL Süd als Underdog Team noch überraschend gute Chancen auf selbigen hat – wichtiger als ein harmonischer Saisonabschluss der Ersten. Da Brett 1-6 zur Verfügung standen konnte noch nicht mal aufgerutscht werden, und so kam es wie es kommen musste, der USC zeigte seine ganze Klasse und bügelte den Konkurrenten aus der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts souverän mit 6:2 weg. Der hohe Sieg verhalf dem USC zum souveränen Gewinn der Staffel und stellt auch für Aschersleben kein sonderliches Problem dar. Platz 4 mit Chancen auf den Dirtten Rang ist eine mehr als solide Saisonplatzierung. Ein wenig Angst machen mir allerdings die nun gehäuften Ausfälle an den hinteren Brettern. Als ich noch ein wenig näher an der Schachszene war, wurde mir schon mal von leichten Auflösungserscheinungen berichtet, ich hoffe, dass sich diese für die Zukunft nicht bewahrheiten und die dynamische und im Oberhaus so unheimlich konstant spielende Mannschaft aus Aschersleben auch in der nächsten Saison eine vernünftige Mannschaft für die LL stellen kann.

Und der USC? Bis auf einen Mini-Wackler eine echt solide Saison in der LL. Ich denke so ein Jahr in einer tieferen Liga kann selbst einem erfahrenem Team helfen. Es ist schon was anderes mal an allen Brettern leicht favorisiert zu sein statt ständig kleinen Nachteilen hinterher zu rennen. Zumindest die Zuverlässigkeit scheint im Vergleich zum Vorjahr gesteigert, so dass ich einem USC in dieser Form in der kommenden Verbandsligasaison ein solides Ergebnis zutraue. Vom DWZ-Schnitt lag das Team am 8. Spieltag vor mehr als 50% der VL-Teams, das sollte zum Mithalten reichen.

Zum eigentlichen Kampf gibt es übrigens nicht viel zu sagen, außer dass ich mich nicht erinnern kann mal eine Begegnung gesehen zu haben bei der der summierte (absolute) DWZ-Unterschied der ersten 4 Bretter 40(!) Punkte betrug. Konsequenter Weise gab es dort viele Remis:) Enrico Timoschenko scheint dieses Jahr eine gebrauchte Saison erwischt zu haben (oder andere Dinge dem Schach vorzuziehen?), seine wahren Qualitäten hat er m.E. im OL-Ausflug der Magdeburger vor ein paar Jahren gezeigt. Philipp Marx ist mit erspielten 6,5/8 Top-Scorrer, aber auch Altmeister Thomas Bundrock (allerdings 2+) und ML Thomas Reichert ( bei einer Partie weniger und bei einem Kampflosen) kommen auf selbige Punktzahl.

Rochade III – Calbe 4:4

Rochade bekommt aufgrund der prekären Situation der ersten (beiden?) Mannschaften und folglich wenig Ausfällen eine richtig starke Mannschaft ans Brett. Ein konstanter Schnitt von 1847 über die Saison hätte mit Sicherheit eine deutlich bessere Platzierung verursacht! Gegen Calbe ließ die vor dem Spieltag immer noch abstiegsbedrohte Mannschaft allerdings den Kampfgeist vergangener Spiele vermissen – etliche Begegnungen, auch die mit teils deutlichem DWZ-Vorsprung endeten schnell im Remis. Darüber war das Team aus Calbe bestimmt nicht tot unglücklich, denn ein DWZ-Rückstand von durchschnittlich fast 80 Punkten möchte auch erst einmal kompensiert werden. Dass das gelang ist schlussendlich dem engagierten Auftreten von Abteilungsleiter Klaus Krausholz zu danken. Mit seinem zweiten dicken Außenseitersieg der Saison konnte er seiner Abteilung zum Punktgewinn verhelfen. Während Calbe mit Platz 3 auf eine mehr als ordentliche Saison blicken kann, befindet sich Rochade im Niemandsland zwischen sicherem Abstieg und sicherem Klassenerhalt. Ob es eine Relegation gibt hängt von der OL ab, trotz nur 20% im Orakel (siehe oben) rechne ich Rochade gute Chancen aus, auch im kommenden Jahr in der LL zu spielen. Gegen die in Frage kommenden Teams aus der LL B (am wahrscheinlichsten Motor Zeitz) rechne ich den Hauptstädtern die besseren Chancen zu. Schlussendlich kann aber die eigenen Erste maßgeblich dafür sorgen, dass es gar nicht erst dazu kommen muss! Das sollte als Motivation reichen, oder? Ich frage mich allerdings wie lange das Konstrukt von Rochade noch hält. Im long-run sehe ich wegen der hohen Abhängigkeit der Ausländer keine Rechte Perspektive für Rochade in der OL, der Stamm der Mannschaften II und III wird auch nicht jünger und der DWZ-Trend zeigt auch eher nach unten. Wenngleich Rochade III – ebenso die anderen beiden Teams – eindeutige Überlebensqualitäten hat, irgendwann wird es mal nicht reichen…

Rochade hat nach wie vor in Lothar Hesse (4,5/7) und Ecki Hoffmann (7 Remis) sowie Thomas Brünnler (3,5/6) die sichersten Stützen der Mannschaft. Bei Calbe bleibt Alfred Weigelt in besonderem Maße hervorzuheben. Etwas Sorge bereitet der häufige Einsatz von Ersatzspielern. Andreas Ernst nicht mit eingerechnet Kommen die Bretter 10 abwärts auf 9 Einsätze. Auch wenn Calbe in der Lage war aus Verhältnis wenig Brettpunkten viel zu machen, so muss einiges passieren um wieder zu einem echten Favoriten mit Aufstiegsambitionen zurück zu finden.

AEM III – Tangerhütte 3,5:4,5

AEM trat mit einer guten Besetzung zum Vorletzten Saisonspiel an. Neben Verstärkung Jürgen Grahn aus der Zweiten wurde an Brett 2 wiederholt ein Jugendspieler eingesetzt. Tangerhütte hingegen kam mit 1-8 nach Magdeburg und brachte es so auf einen stolzen DWZ Schnitt von 1909 und folglich der klaren Favoritenrolle in diesem Kampf. AEM versuchte den DWZ-Rückstand vielen jungen Spielern zu kompensieren. Dass Tangerhütte zum zweiten Mal in dieser Saison mit 1-8 antreten kann, hätte ich a priori nicht vermutet, stark! Der Kampf wurde knapper als die Ausgangssituation – zumindest in Form des reinen DWZ-Schnitts – vermuten ließ. Die AEM Jugendspieler (David Rickmann zähl ich aufgrund der positiven Entwicklung der letzten Jahre einfach mal noch mit dazu) kamen an den Brettern wo sie nur moderaten DWZ-Nachteil hatten zu Siegen. An den anderen Brettern gelangen 3 weitere Remis aus leichter Underdog Position, so dass wiederholt nur knapp am Mannschaftspunkt vorbeigeschrammt wurde. AEM rutscht damit nach guter erster Saisonhälfte auf Rang 6 ab, hat aber am letzten Spieltag die Chance mit einem Punktgewinn gegen Calbe wieder in die erste Hälfte zu rutschen (Bernburg muss zum Tabellenführer), wo ich die Mannschaft aufgrund der relativ gesehen vielen guten Ergebnisse auch sehen würde. Ich denke Tangerhütte wird die beiden MP gern mitnehmen und nicht den verpassten 2 BP nachtrauern welche notwendig gewesen wären um den USC den vorzeitigen Aufstieg zu nehmen. Insgesamt eine sehr gute Saison der Altmärker, unter ungünstigen Umständen und etwas schlechterer personeller Situation hätte der Blick zunächst nach unten gerichtet werden müssen.

Bei AEM sind Hendrik Strumpf und David Rickmann (beide 5/8) die Stützen der Mannschaft. Neben den wertvollen 2/2 von Thomas Hennig sind Wilfried Reinicke und Andreas Zech mit 5,5/8 auf Seiten von Tangerhütte hervorzuheben. Die gute Zuverlässigkeit der Bretter 2-8 (nur 4* fehlte ein Spieler) ist ein weiterer Garant für das gute Abschneiden.